WENN HASEN HAKENNASEN HABEN
LZ Lüneburg, 31.01.2011, Das A-cappella-Quartett „LaLeLu“ präsentiert sein Programm „Pech im Unglück“ im Kulturforum
Lüneburg. Welch ein Fortschritt beglückt das moderne Gemüt: Lebten unsere frühen Vorfahren noch in steinzeitlich dekorierten Höhlen, so amüsieren wir uns heute televisionär über Ekel erregende Fressorgien und Zicken-Attacken im australischen Dschungelcamp. Kultur nennt sich das, oder Lifestyle, vielleicht auch nur eine heutige Version alt-römischer Dekadenz mit Brot und Spielen. Auf jeden Fall ist es eine Fundgrube zahlloser Skurrilitäten, die unser Dasein bestimmen und gelegentlich mal erschüttern. Das bundesweit populäre Hamburger Quartett LaLeLu kramt darin mit Kennerblick für Kabarett taugliche Minidramen.
„Pech im Unglück“ heißt sein aktuelles, zehntes Programm, das den Themen vor allem musikalisch auf den Grund geht. Im restlos ausverkauften Kulturforum Gut Wienebüttel begeisterten die versierten A-cappella-Kleinkünstler erneut mit einem satirisch gewürzten Streifzug durch Kaffee aus Tee-Thermoskannen, Call-Center, Game-Boys und die Qual bei der Auswahl italienischer Eisspezialitäten.
LaLeLu, dahinter verbergen sich Sanna Nyman, Tobias Hanf, Jan Metzer und Sören Sieg — allesamt kreative Köpfe mit modulationsfähiger Stimme und schauspielerischem Talent. Ihre Analysen sind stets kernig auf den Punkt formuliert, witzig und meist neben deftigem Spaß noch intelligent. Gospel etwa entlarven sie messerscharf als tief empfundenen Glaubensausdruck mit Südstaaten-Prägung und nicht als esoterisch umflorten Eurythmie-Singsang von Grundschullehrerinnen aus dem Wendland. Sie fachsimpeln über Hardcore-Sportarten und harmlosere Bewegungsalternativen wie Minigolf oder Standardtänze, Anglizismen und die kulinarische Lust auf Innereien. Jeder Song wird dabei zur Nabelschau gesellschaftlicher Zustände: Geschichten alltäglicher Wunderlichkeiten mit obskuren Verknüpfungen.
Ihre Inhalte liegen manchmal abseits der Schlagzeilen. „Wenn Hasen Hakennasen haben“ fragen sie und singen sich samt Nonsens-Text dabei gleich durch verschiedene Genres, opernhaft pompös, rockig oder im wohl temperierten Swing-Sound. Egal ob Blues, Pop, Jazz oder Soul, musikalische Grenzen kennt LaLeLu nicht. Ihr Talent rechtfertigt solch kühne Taten. Kein Ensemble der Republik dürfte so larmoyant über verlorene Handys und zwei linke Hände beim Kochen lamentieren. Herrlich komisch und ein bisschen schrill denken sie verbal-akrobatisch über vermeintliche Benachteiligungen bei der Portionierung in Restaurants, Menschen-Schlangen vor irgendeinem Tresen und andere ganz gemeine Unbill nach.
„Pech im Unglück“ mixt abgedrehte Comedy, fein abgestimmtes A-Cappella, Anleihen beim chinesischen Philosophen Laotse und vertonte Arzneipackungsbeschreibungen zum kabarettistischen Brillant-Feuerwerk. Das Publikum jubelte, verlangte Nachschlag.