Über LaLeLu / Presse

SMARTER SCHMU AUS GEÖLTEN HAMBURGER KEHLEN
Glocke, 06.05.2008

Gütersloh (vo): „Was ist eigentlich Kunst?“ Mit dieser Frage haben sie sich wirklich auseinander gesetzt: Tobias Hanf, Jan Melzer, Sören Sieg und Sanna Nymann wissen, wann „Schmu“ die abendländische Kulturgeschichte bestimmt. Als „LaLeLu“- Quartett präsentieren und persiflieren sich die vier Hamburger selbst – und alle anderen, die als Stars und Sternchen auf der Bühne stehen.


Keine Frage, der Jugendkulturring kann zufrieden sein, denn mit „LaLeLu“ hatte er bei der 15. Gütersloher A-cappella-Nacht am Sonntag genau den Geschmack des Publikums getroffen. Über drei Stunden wurden die Lachmuskeln der Besucher im Kleinen Saal der Stadthalle strapaziert, nachdem die Bielefelder Gruppe „Tovesant“ sich an einer munteren Einstimmung versucht hatte.
In einer fulminanten Comedy-Bühnenshow, deren Texte und Arrangements dem witzigen Conferencier Sören Sieg zu verdanken sind, wird nicht Halt gemacht vor jenen Peinlichkeiten, die unter- und oberschwellig das Gemüt der Deutschen berühren. Da tritt mal eben der „kleine Mann“ Gernot vor das Publikum: Sieg gibt ihn in einem expressionistischen Frühwerk anlässlich der Geburt der Zwölftonmusik in einem Opus“ $ A für Solo, Tenor und gemischten Chor“ zum Besten.
Hanf verspottet glänzende die Kulturlosigkeit der lesefaulen Gesellschaft mit dankbaren Stimmen bekannter Politiker, mimt unverkennbar Marcel Reich-Ranicki und Boris Becker. Jan Melzer gibt mit offensichtlicher Gestik den Udo Lindenberg. Und Sanna Nymann, seit Februar neu im Quartett, sorgt für Zarah Leander-Schmelz.
Das Reimen nimmt kein Ende, schon gar nicht, wenn die vier Gesangkomiker in einer Kontaktanzeigenserie als Bohème, verspäteter Sultan, naives Dummchen oder „Hänschen klein“ auftreten. „Running Gag“ bleibt der Kontakt zu einem Gast aus Werther, der, einmal als „Ottonormalbürger“ verspottet, immer wieder herhalten muss, wenn das Thema ein „Du und Du“ erfordert.
„Kunst kommt also von Können, nicht von Wollen“, schließt Jan Melzer die Frage nach dem Sinn von Unterhaltung ab. Und Schund entstehe demnach aus Schummeln. Dem setzt Sören Sieg noch eins oben drauf: Live singen ist angesagt, „Playback“ verpönt.
Wer gesanglich derart präzise von „LaLeLu“ umgarnt wurde und bis zur Medley-Zugabe durchhielt, dem wurde an diesem Abend klar: Um eine Frau anzusprechen, bedarf es mehr, als einen abgedroschenen Song zu singen oder Pfannkuchen zu backen. Von Erfolg ist die Sache nur durch den Charme der Hamburger A-cappella-Spezialisten gekrönt.

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