PFANNKUCHEN, FLIEGENDE GRÜNKERNBRATLINGE UND KONTAKTANZEIGEN
Staufen, Oktober 2007
Das Quartett "LaLeLu" präsentiert im Spiegelzelt große Kunst / Parodien, originelle Arrangements und perfekter Gesang bringen die Stimmung zum Kochen
Staufen: Kunst kann so vieles sein: On turtelnde Türken, witzelnde Mönche oder fahruntüchtige Spanier – wenn es so genial rüberkommt wie bei der A-cappella-Gruppe „LaLeLu“, dann schaut nicht nur der gute Mond hellwach zu. Die ideenreichen Künstler mit den Wahnsinnsstimmen ziehen im ausverkauften Spiegelzelt mit ihrem Pogramm „Große Kunst. Für sehr viel Geld“ eine temperamentvolle Show ab, die sich gewaschen hat. Die originellen Arrangements stammen allesamt von Sören Sieg – übrigens der lebende Beweis, dass kleine Sänger unglaublich sexy sind.
Gleich nachdem sich der nicht eben sparsam wabernde Bühnennebel gelichtet hat, sprühen schon die ersten erotischen Funken: Sängerin Sonja Wilts hat Frank Sch. aus Lörrach im Publikum entdeckt (der Nachname wird aus datenschutztechnischen Gründen verschwiegen) und widmet dem glücklichen Gewinner ihrer Gunst das erste Liebeslied. Denn auf der Suche sind sie alle, unsere vier auf der Bühne: Und deshalb steht der folgende Querschnitt durch diverse Musikepochen ganz im Zeichen von Kontaktanzeigen – unter anderem als Kantate à la Telemann, bei der sich die große Blonde und ihre Kollegen stimmlich mal eben locker ein ganzes Barockorchester auffahren.
Und was kommt nach Kontaktanzeigen? Natürlich Kinder, beziehungsweise Kinderlieder – willkommene Gelegenheit fürs Publikum, sich mit „Hänschen Klein“ textsicher in die Show einzubringen. Und jetzt wird endgültig klar, was das muntere Quartett aus dem hohen Norden an diesem Abend wirklich will: Pfannkuchen nämlich.
Ob sich das Comedy-Quartett damit in der Pause den Bauch vollgeschlagen hat, ist nicht bekannt. Aber der zweite Teil des Abends wird noch spritziger, komischer und origineller, als der erste ohnehin schon war.
„Staufen on my mind“, inbrünstig von Jan Melzer vorgetragen, wird vermutlich die neue Hymne der Stadt. Die lässt sich auch Edmund Stoiber nicht entgehen, der dank Imitator Tobias Hanf im „Stern“- äh, „Focus“- ,äh „Spiegelzelt“ seine unnachahmlichen sprachlichen Raffinessen zum Besten geben darf. „LaLeLu“ schreckt weder vor ehemaligen Ministerpräsidenten, noch vor fliegenden Grünkernbratlingen oder flachen Witzen zurück.
Doch wenn Letztere als gregorianische Gesänge von vermummten Mönchen dargeboten werden, ernten selbst die abgedroschenen Kalauer brüllendes Gelächter. Eine weitere Sternstunde dieses Abends ist der Auftritt von Jan Melzer als Enrique Iglesias, der seine mediterrane Leichtigkeit ausgerechnet am Autosteuer austobt. Die Stimmung im Zelt ist auf dem Höhepunkt. „Sag beim Abschied leise Servus“, empfiehlt sich das Quartett vorsorglich angesichts dieser Euphorie. Doch leise wird der Abschied nicht. Zum Schluss wird noch einmal alles aufgefahren, was die Stimmen von „LaLeLu“ so alles hergeben: Von Zarah Leander bis Harry Belafonte, von Marilyn Monroe bis Modern Talking – in einem fantastischen Medley quer durch die deutsche Schlagerwelt lassen es die vier noch einmal so richtig krachen., bevor sie effektvoll mit einem gefühlvollen afrikanischen Lied die Bühne verlassen. Dem heiß ersehnten Pfannkuchen steht nun nichts mehr im Weg.
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