PARODIE AUF EIN IDYLL NAMENS DEUTSCHLAND
LaLeLu treten bei den A-cappella Tagen im Scala auf
Ludwigsburger Kreiszeitung, 30.03.2009
Einlullend ist anders: Wer bei LaLeLu nur ans Rühmann’sche Schlaflied aus „Wenn der Vater mit dem Sohne“ denkt, liegt falsch. Bei der Show der gleichnamigen A-cappella-Truppe aus Hamburg im Scala hätte sich auch der Mann im Mond schlapp gelacht.
Liebliches Vogelgezwitscher im friedlichen Tann, ein Jagdhorn und Hundegebell in der Ferne, der Aufschrei eines angeschossenen Treibers. Mit diesem Idyll zwischen Holland und Tschechien, genannt Deutschland beginnen LaLeLu bei den A-cappella-Tage im Scala ihr Programm „Grundlos eitel“.
Blick für Banalitäten des Alltags
Das ist echte Tonart – ein witziges musikalisches Gesamtkunstwerk, das alleine mit dem auskommt, was Gott gegeben ist: begnadete Stimmen, bewegliche Körper, vor allem aber Esprit und ein scharfes Auge für die bösartigen Banalitäten des Alltags. Was LaLeLu singen, ist nicht tiefschürfend, dafür aber umso entlarvender. Abgesehen vielleicht von der Hegel’schen Begriffsdialektik, die sie respektlos in einen Country-Song packen.
Bitterböse ehrlich die Szene auf dem Bahnsteig, wo die Tickets wegen Verspätungen ihre Gültigkeit verlieren, weil die Bahn bis dahin privatisiert ist. Manches ist einfach nur Gaga: Wer denkt in einer finnischen Sauna schon an Nagelpilz und schreibt darüber ein Lied?
LaLeLu surfen durch die Musikrichtungen und Stile, sie kreieren dabei Neues. Sie kreuzen den Samba mit dem Tango und rappen sich einen ab, bis daraus ein indianischer Kriegstanz wird. Und sie parodieren auf Teufel komm’ raus: Max Mutzke, Marius Müller-Westernhagen und der professionell-missionarische Betroffenheitslyriker Xavier Naidoo stehen unter anderem auf der Liste.
Stimmumfang über mehrere Oktaven
LaLeLu, das sind der samtweiche Bass Tobias Hanf, der dem Ensemble die Basis verschafft, ein Herzensbrecher und Frauenversteher, ein Parodist, der mehr als eine Stimme hat. Das Pendant zu ihm ist die verführerische Finnin Sanna Nyman mit den rehbraunen Augen. Auch sie ist mit einem Stimmumfang über mehrere Oktaven gesegnet und mit dem Talent, Naturgeräusche nachzuahmen – das krächzende Kichern der Vögel zum Beispiel. Texter, Komponist und Arrangeur ist Sören Sieg, zugleich Tenor und Kopf der Truppe – vom körperlichen Format Blödel-Bonsai, aber beim Auftritt absolut der Größte. Und schließlich ist da noch Jan Melzer, der wandlungsfähige Bariton mit dem Zeug zum Teenie-Idol.
Sie sehen gut aus, sie können gut singen, und sie nehmen weder sich, noch die Lage in Deutschland oder sonst wo auf der Welt sonderlich ernst. Sie sind Sangeskommödianten vom Feinsten. Von ihnen bekommen die deutschen Volksstämme ihr Fett weg, ebenso die Politprominenz oder selbst ernannte Fernsehprominente. Das Ganze wird so klasse verpackt, dass ihnen niemand richtig böse sein kann. Eigentlich hätten LaLeLu allen Grund, eitel zu sein.
Von Thomas Faulhaber
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