OH, DU RÜHRSELIGE WEIHNACHTSZEIT
A capella-Comedy-Quartett "LaLeLu" zieht Klischees durch den Kakao
Westfalen Blatt, 8.12.2009
Delbrück (WV). Wer „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ auf die Melodie von „ Marmor, Stein und Eisen bricht“ singt, hat das Publikum sofort gewonnen. Und wenn das Programm so lustig bleibt wie bei „LaLeLu“, dann lauscht der Saal auch gerne bis zum letzten Ton.
Alles, was die Menschen rund um Weihnachten so umtreibt, nimmt das a cappella- Comedy- Quartett in der Stadthalle Delbrück respektlos, aber mit viel Witz und Phantasie auf die Schippe. Jede Nummer, ob sie sich nun um das Festessen oder das Festkonzert dreht, hat eine eigene Inszenierung und immer einen überraschenden Schluss, und so wie die vier Komödianten jedes Klischee karikieren, scheinen sie mindestens so viel Spaß daran zu haben wie das Publikum.
Über das Festessen zum Beispiel sinniert tiefgründig ein Reinhard- Mey-Double mit Luftgitarre, um schließlich festzustellen, dass es immer noch nicht weiß, ob es Karpfen oder Kartoffelsalat gibt. Und das Konzert wird angekündigt als ein Ereignis mit achtzig afrikanischen Tenören, die von Blockflöten begleitet einen Querschnitt aus Zauberflöte, Carmina Burana und Bach-Oratorium aufzuführen gedenken.
Doch so viel Besinnlichkeit ist nicht die Sache von „LaLeLu“. Sie veranstalten deshalb den Wettbewerb „ Deutschland sucht den Nikolaus“, mit bösen Kommentaren von Dieter Bohlen, und gestatten dem Engelchen, den völlig erschöpften Weihnachtsmann zu verführen. Und sie klären unmissverständlich darüber auf, wie blutig es „In der Weihnachtsmetzgerei“ zugeht.
Gegen die allgegenwärtige Dezember-Rührseligkeit kommt aber auch „LaLeLu“ nicht an. Die souligen Emanzipationsbemühungen eines Dreißigjährigen gehen deshalb in einer Hymne an „Mama“ auf, und der Rocker-Weihnachtsmann entdeckt sein weiches Herz, wenn er die Teddybären unter seiner Lederjacke an arme Kinder verschenkt.
Im zweiten Teil wird das Programm auch politisch und jede bekannte Figur auf dem Berliner Parkett bekommt was mit der Rute. Bosheiten werden gerne in zuckrige Weihnachtsmelodien verpackt, und so klingt „ Süßer Frank-Walter Steinmeier, erglänzest in Farblosigkeit“ zunächst ganz nett, ehe „LaLeLu“ mit dem SPD-Politiker ebenso abrechnet wie mit Merkel, Münte und Westwelle.
Perfekter Satzgesang, Stimmen, die ein ganzes Orchester ersetzen, und spontane Wechsel von Klassik zu Soul, von Reggae zu Rap: Dass die Vier ausgebildete Sänger sind, macht das Zuhören zu einem besonderen Vergnügen. Da kann man es auch aushalten, dass „Der singende Marillenknödel“ während seines Belcanto-Vortrags über die Weihnachtsschlemmerei das Publikum mit Mäusespeck bewirft.
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