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NEUES KONZEPT: NIMM MICH!

KIELER NACHRICHTEN, 04.09.06
Lutterbek – Sie haben gewagt und gewonnen, die vier Sangeskünstler von LaLeLu.



Seit Jahren äußerst erfolgreich mit ihrer parodistischen A-cappella-Comedy, die bekannte Titel und Interpreten virtuos verhohnepiepelt, schreiben sie ihr Konzept fort und probieren etwas Neues aus – mit durchschlagendem Erfolg beim Publikum im Lutterbeker.
Völlig aus dem Häuschen sind die Zuschauer im proppevollen Saal nach der Vorpremiere des neuen, siebten LaLeLu-Programms unter dem ohne Umschweife zur Sache kommenden Titel "Nimm mich! – Die Hochzeitsshow". Übers ganze Gesicht strahlen die Sänger nach zweieinhalb prall gefüllten Stunden über so viel Zuspruch. Ist es doch längst nicht selbstverständlich, ein einmal gefundenes Erfolgsrezept umzuwerfen. Aber keine Sorge, das, was das Hamburger Quartett unter den unzähligen, oft wie geklont wirkenden A-cappella-Truppen so besonders machte, die Mischung aus unbestreitbaren sanglichen Qualitäten und einem erfrischend nonkonformistischen Sinn für Blödsinn jenseits des x-ten Aufgusses der Comedian Harmonists, haben sich die ausgebildeten Berufsmusiker bewahrt. Nur dass sie eben jetzt ihre eigenen Stücke singen – bis auf ein treffsicher ironisches Cover der Roy-Black-Schnulze Ganz in Weiß und ein paar Zugaben – all das erstmals eingebunden in ein durchgehendes LaLeLu- "Singspiel" (Musik und Texte: Sören Sieg). Der Plot ist so schlicht wie schräg: Ein einsamer, weil "kleinwüchsiger" Kellner in einer Single-Bar (Tenor Sören Sieg) plagt sich mit einem Trupp nerviger Gäste: "Porno-Bernd", der hüftschwingende Fahrlehrer in Cowboytretern (Bass Tobias Hanf) konkurriert mit einem hanseatischen Pfeffersack (Bariton Jan Melzer) um die Gunst einer stahlharten Blondine (Sopran Sonja Wilts als Material Girl). "Ich will Diamanten für die Sohlen, für den Park noch ein paar Polen", trällert Wilts, anfangs mit ein paar Intonationsproblemen, aber später gewohnt glockenhell. Auch die anderen LaLeLu-ler charakterisieren ihre Figuren punktgenau durch jede Menge Songs und originelle Texte – im Background jeweils versiert unterstützt von den Kollegen: Sören Sieg schmelzt die Herzen der Frauen mit lupenreinen Popballaden; Tobias Hanfs Bass tönt nicht nur beim Rap aus voller Brust; und Jan Melzer bietet eine ausgesprochen fies-sarkastische Parodie auf 50er-Jahre-Schmachtschlager á la Zwei kleine Italiener. Überhaupt haben die Genre-Persiflagen das bisherige Karikieren von Einzelkünstlern wie Maffay und Co abgelöst, was wesentlich mehr kreativen Spielraum bietet. Oper, Disco, Rock ´ n ´ Roll, Minnelied – alles ist möglich. Manchmal vermisst man noch Sören Siegs gnadenlose Zwischenmoderationen aus früheren Programmen; manches, wie das Lied der "gregorianischen Mönche", käme kürzer knackiger. Doch dafür werden Vorpremieren ja gemacht. Mit wem sich die Braut schließlich traut, wird natürlich nicht verraten, so viel sei aber gesagt: Am Ende siegt – na klar! – die Liebe. Von Beate Jänicke


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