Über LaLeLu / Presse

LALELU ZÜNDETE IM SCHLOSS SO MANCHES PARODISTISCHES LICHTLEIN AN
KIELER NACHRICHTEN, 22.12.06

Kiel – "Yo, Digga, es ist wieder so weit", es weihnachtet und LaLeLu haben nicht nur "den geilsten Tannenbaum", sondern darauf auch die lustigst sprühenden Wunderkerzen. Natürlich ist die weihnachtliche Betriebsam- und Besinnlichkeit ein leichtes Opfer für die Hamburger A cappella-Komödianten, etwa im Rap, den "MC Podielski" aka Bariton Jan Melzer nicht passender parodieren könnte, passend zum Weihnachtsbaum wie zum coolen HipHop-Posing.

Dass bei LaLeLu so ziemlich alles, was archetypische Stimme hat, von Julio Iglesias über George Michael bis zu Rammstein als krachendes Kasperletheater, durch den Kakao gezogen wird, ist eines ihrer Markenzeichen. Bei so viel Klamauk-Potenzial könnte das zusätzliche Thema Weihnachten mit seinen wohlfeilen Klischees leicht mit zu viel Comedy-Lametta behängt werden. Allein, Sören Siegs Arrangements überzeichnen nie, sondern lassen die (Hass-) Liebe zum Original durchschimmern. Da wird nichts lächerlich gemacht, lediglich seine lachhaften Komponenten werden mit satztechnisch geradezu chirurgischer Präzision heraus präpariert.

Schon gleich zu Beginn des Weihnachtskonzerts im Schloss wird das deutlich: Morgen kommt der Weihnachtsmann ist ein Klassiker, jedoch stammt die Melodie von keinem Geringeren als Mozart. Dessen Variationen über Ah, vous dirai-je, Maman deklinieren LaLeLu notengetreu und so wird aus dem Scherz, Mozart mit Knecht "Drafi" Ruprechts Marmor, Stein und Eisen bricht zu kombinieren, ein Lehrstück über die Stimmkunst des Quartetts.

Von der Schauspielkunst LaLeLus nicht zu schweigen. Dafür bedarf es zwar mancher operettenhafter Verkleidungsrequisite – Sopran Sonja Wilts nimmt man den femme fatale-Engel auch ohne weiße Flügelchen ab, im "kleinen Schwarzen" den Weihnachtsmann bezirzend vielleicht noch eher –, aber die eigentliche Verstellung offenbart sich im Stimmlichen. Sönke Siegs Reinhard Mey-Parodie ist nicht nur von den linkischen Gesten des Liedermachers her feinsinnig beobachtet, sondern vor allem musikalisch. Jan Melzers Julio Iglesias stellt den Parodierten an Larmoyanz glatt in den Schatten, Sonja Wilts ist in ihrer Schlagersternchen-Imitation auf intelligenteste Weise naiv. Und dann ist da ja noch Tobias Hanf, der Stimmenimitator, der auch auf jeder Kabarettbühne reüssieren könnte. Kein echter Operetten-Bass knödelt so intensiv wie er, kein Stoiber stotterte echter. Und was wäre eine trist norddeutsche Weihnacht in Pinneberg ohne sein den abgründigen Schlusspunkt setzendes tiefes "D"?

Noch eine größere Anerkennung als der Szenenapplaus ist vielleicht das Szenengelächter, das ein ausgelassenes Publikum LaLeLu spendet. Eindrücklicher freilich ist, dass man beim harmonisch dicht gewobenen schwiezerdütschen Weihnachtsliedersatz die berühmte Stecknadel fallen hören könnte. Fern von aller Comedy und plakativen Späßchen zeigen LaLeLu unter anderem hier, dass sie besonnene und dadurch besinnlich Wunderkerzen und -herzen anfachende Stimmkünstler sind.
Von Jörg Meyer

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