LALELU BEGEISTERN BEIM KULTURKLUB BAD HARZBURG – „OTTOS MOPS HOPST“
Seesener Beobachter, 21.11.2010
Bad Harzburg. Schummerlicht auf der Bühne des Kulturklubs Bad Harzburg in Bündheim – eine monotone Stimme aus dem OFF: „Wir hören einen Auszug aus Konfuzius, gelesen von Ben Becker in Ur-Chinesisch. Die Silberlocke der Volksmusik fällt aus, stattdessen kommt LaLeLu“. Die vier Comedians Tobias Hanf, Jan Melzer, Sanne Nyman und Sören Sieg boten aus 15 Jahren ihrer gemeinsamen Auftritte das Beste. Sie rappten und beatboxten, was das Zeug hielt. Ihre Stimmkraft und ihr Showtalent ersetzten durchaus eine vollständige Bigband. Sören Sieg hatte den Part des Conferenciers übernommen und schmetterte seine Nachrichten in den Saal. Was war in 15 Jahren LaLeLu und 125 Jahren Johannes Heesters alles passiert? Dieter Bohlen wird Weltkulturerbe, es gibt 62,1 Milliarden Steuern mehr. Etwa für Goslar?
LaLeLu beschränkten ihren Auftritt nicht nur auf die Bühne, sie kamen ins Publikum, kürten gar Markus Trixler aus dem Publikum zu ihrem Liebling und Top-Act. „Komisch, in Göttingen wart ihr noch nie“, wunderte sich der überraschte Gast. Sanna umarmte ihn und ließ ihren ganzen Charme spielen. Jan Melzer brillierte stimmlich als Georg Philipp Telemann, sang vom Kuschelbären. Die anderen drei verwandelten sich ins Göttinger Barockorchester. Es klang täuschend echt.
Ein Schwenk in die Jetztzeit, und Jan Melzer war Max Mutzke, der von vergeblicher Liebe zu irgendjemand sang. Zum Dahinschmelzen war Sannas „You Make Me Feel“. Was hatte es in 15 Jahren noch gegeben? Die Frauen repräsentieren Deutschland, von Angela Merkel über die Fußballnationalmannschaft bis zu Heidi Klum. Und das Bonus-Punkte-System beim Einkaufen. Bei Tod erben die Nachkommen die letzten Punkte, und mit der Dalei-Lama-Coldcard eine Gratisbeerdigung. In schönster A-cappella-Manier intonierten LaLeLu Ernst Jandls „Ottos Mops hopst“. Schließlich sind wir das Volk der Dichter und Denker. Erinnerungen an schlechtes Wetter in Bad Harzburg 2007, entweder regnete oder schneite es. Scheißwetter heute. Tobias Hanf eroberte als Florian Klüver in hautengen Lederjeans und grellbuntem Hemd die Herzen der Zuschauer. Er rockte: „Wir singen live, wir singen nicht playback“. Dafür flogen zum Dank Blumen, Kuscheltiere und Slips auf die Bühne.
Nach der Pause gab es Varietéatmosphäre mit viel Nebel. Tobias Hanf und Jan Melzer suchten einen Mann mit Pferdeschwanz, Frisur egal. Im kleinen Schwarzen kam Sanna hinzu, sang und tanzte den alten Donna-Summer-Hit „Hot Stuff“. Das Publikum im fast ausverkauften Kursaal klatschte begeistert mit. Dann wieder Nachdenkliches. Was ist die Zukunft? Es wird drei Millionen an Demenz Erkrankten geben, davon fünf Millionen in Bayern. Professor Dr. Lütge aus Dresden alias Tobias Hanf verteidigte die Deutsche Sprache. „Coffee to go“ sollte wieder zum „Kaffee zum Mitnehmen“ werden. Dann verwandelte sich Tobias Hanf in Franz Beckenbauer als Lebensberater, wechselte spielend zwischen Boris Becker, Rainer Calmund, Joachim Löw. Am besten war er in der Rolle des Jürgen Trittin und des Dieter Bohlen mit ihren charakteristischen gequetschten Stimmen. Was hat Deutschland vorangebracht? Das eine ist Modern Talking, das andere bin ich (Dieter Bohlen). Alle vier spielten Bill Ramsey, Bob Dylan, Bonney M., Smokey und Abba, die ultimativen Hits, die auch später noch im Gedächtnis bleiben. Ach ja, Lena Meyer-Landrut durfte nicht fehlen. Die Zuschauer klatschten und freuten sich. Die gesamte Truppe, einschließlich Gast Markus Trixler aus Göttingen, erhielten Standing Ovations. Eine Zugabe war fällig. Passend zu den Schirmen als Geschenk des Kulturklubs sangen sie „Singing In the Rain“. Sanna wirbelte als Super-Woman im roten Umhang über die Bühne. Ruhiger wurde es erst, als sich LaLeLu mit „Moon River“ und dem Song gleichen Namens verbschiedeten. Dafür gab's noch einmal jede Menge Beifall mit Standing Ovations. Dagmar Hoffmann