KOMÖDIANTISCH SAFTIG UND MUSIKALISCH GROSSARTIG
Lüdenscheider Nachrichten, 05.11.2007
Comedy-Gruppe "LaLeLu" schafft mühelos den Spagat zwischen toller Unterhaltung und großer Kunst. Hochzeitsoper als begeisternder Stilmix.
Würde Mozart heute leben, dann wäre seine Opera buffa wahrscheinlich ähnlich dem, was das Comedy-Gesangsquartett „LaLeLu“ am Freitagabend auf die Kulturhausbühne zauberte: Musikalisch vielfältig, thematisch witzig bis saftig, erfüllten die vier Hamburger alle Anforderungen an einen gelungenen Abend – und bedienten beinahe nebenbei auch noch die unterschiedlichsten Ansprüche.
„Nimm mich! – Die Hochzeitsoper“ heißt das mittlerweile achte Programm der seit einem Jahrzehnt tätigen Comedygruppe. Aber nur wer den Begriff „Oper“ hier zu wörtlich genommen hätte, der könnte enttäuscht den Saal verlassen haben. Doch: alles reine Theorie. Denn man wusste, was kam – und war zu Recht begeistert. Schließlich sind die LaLeLus nicht zum ersten Mal in der Bergstadt gewesen. Und so konnten sie auch diesmal punkten und ihren Fanclub in und um Lüdenscheid erneut vergrößern. Zwei Stunden bester Unterhaltung mit reichlich Gelegenheit zu herzhaftem Gelächter vergingen wie im Fluge. Leider. Das Publikum hätte sicher noch mehr genießen wollen, egal, von welchem Standpunkt die Darbietung auch betrachtet wurde.
Denn da gab es einerseits diejenigen, die einen komödiantischen Abend angestrebt hatten, sich an einer romantisch-komischen Geschichte mit grellbunten Charakteren freuten, die beim Schnulzen-Pendel zwischen Liebe und Leid mitfieberten und beim Ende zwischen Lach- und Rührungstränen schwankten.
Sie kamen bei Porno-Bernd, dem Fahrlehrer mit der verspiegelten Sonnenbrille und dem Hang zu „jungen Dingern“, ebenso auf ihre Kosten, wie bei dem Kellner mit haushohem Minderwertigkeitskomplex und dem Enddreißiger aus reichem Hause, der noch eben eine Braut sucht, um nicht enterbt zu werden. Und, um das Bild abzurunden, gab es noch die Frau zwischen Zuckerpuppe und Biest. Eine gelungene Mixtur.
Und dann waren da noch diejenigen, die in erster Linie den musikalischen Genuss vorgezogen hatten, die großartige Gesangsarrangements und deren professionell einfühlsame Umsetzung goutierten, die begeistert waren von der Leistung der vier studierten Sänger auf der Bühne, welche im Stilmix zwischen Rap, Volkslied und Polka, mozartesken Albertibässen und Tonsätzen auf Bach’sche Art niemals ein Orchester vermissten, denn die vier Kehlen schafften den Gesamtklang ganz allein.
Doch egal worauf nun geachtet wurde, Sonja Wilts, Sören Sieg, Jan Melzer und Tobias Hanf werden als „LaLeLu“ in Lüdenscheid immer gern gesehene Gäste sein.
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