Über LaLeLu / Presse

HEISSER STOFF MIT MC ZAHNSEIDE

LaLeLu in der Wittinger Stadthalle: Spaßattacke auf höchstem musikalischen Niveau
Isenhagener Kreisblatt, 01.02.2010



 

Wittingen. Was war denn nun das Beste? Für die knapp 500 Leute, die am Samstagabend im hellen Schein des Mondes die Wittinger Stadthalle verließen, war das ein kontroverser Diskussionspunkt. LaLeLu hatten gerade ein knapp zweieinhalbstündiges Feuerwerk an Gags und allen möglichen und unmöglichen musikalischen Ideen abgebrannt, das die Wahl nicht leicht fallen ließ.
 
Im 15. Jahr ihres Bestehens präsentiert sich die A-cappella-Comedy-Truppe um ihren Bass und ehemaligen Hankensbütteler Tobias Hanf in Top-Verfassung. Meisterhaft inszeniert das Quartett am Sonnabend das Spiel mit Selbstironie, Übertreibung, überraschenden Wendungen und gewollt unfairen Seitenhieben, essenzielle Ingredienzien von Comedy und Satire.
 
Da reimt beispielsweise Mastermind Sören Sieg: „Mecklenburg, Mecklenburg, du vereinst was mir gefällt, den Nahen Osten und die Dritte Welt.“ Na klar, das ist politisch unkorrekt, und das soll es ja auch sein.
 
Zur angekündigten Führung durch die deutsche (Gemüts-) Landschaft gehört für die Hamburger Spaß-Musikanten eine düstere Ballade über zu spät kommende ICEs ebenso wie das permanente Spiel mit regionalen Eigenheiten. Ja, auch im Saarland wohnen Menschen, und dann die Erkenntnis, bei der sich im Publikum merklich herzhaftes Lachen und, nun ja, erstauntes Lachen mischen: „Provinz ist da, wo Lehrer als Intellektuelle gelten.“ Rums.
 
Lokalmatador Tobias Hanf hat an diesem Abend gleich mehrfach die Gelegenheit, sich mit einem Solo-Auftritt auszuzeichnen. Brillant, wie er reihenweise Promis und Politiker parodiert- von Reich-Ranicki über Becker, Beckenbauer, Münte und Merkel bis hin zu einem wunderbar getroffenen Basta-Schröder und einem Stotter-Stoiber, der in seinen äh, eigenen äh, Sätzen nicht äh, zurückfindet.
Natürlich dürfen bei der Deutschland-Reise auch deutsch-deutsche Nettigkeiten nicht fehlen. So erinnert sich Hanfs Merkel an das Tischgebet in der DDR („Lieber Erich, sei unser Gast, und segne, was du uns bescheret hast“), das gesprochen wurde, bevor die aus Maden selbst zusammengeklebten Nudeln auf den Tisch kamen.
 
Das Publikum kriegt sich kaum wieder ein, als Hanf alias Prof. Ludger Beinlich ein Plädoyer für weniger Anglizismen hält. Der etwas verstaubt daherkommende Gelehrte möchte endlich wieder „Kaffee zum mitnehmen“ sagen dürfen statt „Coffee to go“, und „Nutte“ statt „Escort-Service“.
 
Zu Einem absoluten Highlight der Show gerät auch die norddeutsche Hip-Hop-Battle, die Niedersachse Hanf als „MC Zahnseide“ natürlich für sich entscheidet (wie sind schließlich in Niedersachsen), nachdem er Hamburger und Schleswig-Holsteiner rappend mit Attributen bedacht hat, die hier nicht alle zitierfähig erscheinen. Obwohl sich Jan Melzer, als „MC Extension“ für Hamburg in Rennen gegangen, wacker schlägt: „Hier ist Hamburg Poppenbüttel, fast so geil wie Hankensbüttel“.
 
Der Halb-Mecklenburgerin Sanna Nyman bleibt in diesem energiegeladenen Contest ebenso wie dem Schleswig-Holsteiner Sören Sieg nur die Statistenrolle, dafür punktet die aparte Halbfinnin ganz besonders, als LaLeLu bei Donna Summers „Hot Stuff“ zeigen, wie man komplett ohne Instrumente einen Disco-Klangteppich webt.
Überhaupt die Musik: Die Vokalakrobaten demonstrieren auch, dass A-cappella und Heavy Metal keine unvereinbaren Gegensätze sein müssen – und zwei Instrumente haben sie dann doch mitgebracht. Jan Melzer, der sympathische Mann für alle Fälle, zeigt sein Können am Saxophon – und an der Gummigitarre. Ganz locker gibt er auch mal eben den Max Mutzke.
Natürlich beherrschen LaLeLu auch das Spiel mit dem Lokalkolorit, hier in der Stadthalle, „hier in der Nähe zum Otter-Zentrum, wo“, So Sören Sieg, „unser Bass geboren und aufgezogen wurde“. Umwerfend auch, wie Sieg sich eine Knesebeckerin aus der ersten Reihe greift, sie über ihren Heimatort ausfragt und das eben Gelernte über Pferde, Kartoffeln und Metallbau in einen improvisierte , ironische Ode an den Ort gießt. Der totale Nonsens, der totale Erfolg.
 
LaLeLu hatten politisches Kabarett angekündigt, und mit das Politischste an diesem Abend ist wohl ihr Kommentar zur demografischen Entwicklung. Die Deutsche, zum Kinderkriegen zu doof, sind in der nicht allzu fernen Zukunft ausgestorben, das Saarland fällt wieder an Frankreich, und der einzige „Trost“ ist: dass es auch Holland nicht besser geht: abgesoffen.
 
Das alles darf man sich rausnehmen, wenn man nicht „Grundlos eitel“ (so der Name des Programms) ist. Am Ende singt der Vierer „Keine schöner Land“, und dann gibt´s standing ovations. Prof. Beinlich würde freilich von „Stehapplaus“ sprechen. Holger Boden

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