DREI KERLE BUHLEN UM DIE GUNST DER BRAUT IN SPE
FRANKFURTER NEUE PRESSE, 13.01.07
Höchst: Was braucht man, um ein Musical auf die Bühne zu bringen? Die Gruppe „LaLeLu“ braucht dafür nur ein paar Kostüme und ihre Stimmen. Die vier Sänger – drei Männer und eine Frau – sind beim Neuen Theater mit ihrem Programm „nimm mich! Die Hochzeitsshow“ zu Gast. Dass man bei der Premiere am Donnerstag im Bildungs- und Kulturzentrum (Bikuz) trotz des –verglichen mit großen Musicalproduktionen – geringen Aufwands, der betrieben wurde, nicht den Eindruck hatte auf irgendetwas verzichten zu müssen, lag vor allem an den sehr guten und wandlungsfähigen Stimmen der Künstler.
Angekündigt war die Geschichte einer Frau, die von drei Männern umworben wird und sich schließlich für den richtigen entscheidet, auch gar kein Musical, sondern viel bescheidener als „A-capella-Comedy“. Seinen Reiz gewinnt „Nimm mich!“ in erster Linie aus dem Spiel mit Klischees, sowohl, was die Musik angeht, als auch hinsichtlich der auftretenden Figuren. Da ist zunächst einmal Sören Sieg, der den Kellner in einer Single-Kneipe spielt. Mindestens zehn Zentimeter zu klein, um von irgendjemandem ernst genommen zu werden, erscheint er als der geborene Verlierer. Tobias Hanf ist in der Rolle des draufgängerischen Fahrlehrers zu sehen und zu hören, der glaubt, dass ihm durch sein umwerfendes Aussehen und seine coolen Klamotten alle Frauen zu Füßen liegen. Jan Melzer ist der Sohn eines wohlhabenden Unternehmers, der durch seine Heirat seine finanzielle Zukunft retten will: Wenn er bis Monatsende keine Frau gefunden hat, wird er enterbt. Diese drei kämpfen um die Gunst von Sonja Wilts als Braut in spe, die dem Gedanken an Heirat auch gar nicht abgeneigt ist. Doch allzu schnell möchte sie sich nicht entscheiden müssen. Dass der Unternehmersohn zunächst das Rennen macht, verwundert nicht, hat er doch gute Argumente in Form wertvollen Schmucks.
Nachdem sich die vier Charaktere jeder mit einem, eigenen Lied vorgestellt haben, gewinnt die Handlung nach und nach an Fahrt. Je mehr sich die Ereignisse überschlagen, je flotter und ironischer Songtexte und Musik werden, desto mehr Spaß hat auch das Publikum. Beispielweise, wenn vor der Hochzeit die drei Männer als Mönche auftreten, die den Bräutigam warnen: „Heirate nie ohne einen Ehevertrag“, singen sie dabei, „und will sie nicht unterschreiben, dann lass es doch bleiben“.
Komisch auch das Lied „Wen laden wir uns ein“, in dem die Braut alle Gäste ablehnt, die ihr Zukünftiger zur Hochzeit einladen will. Nicht einmal seine Eltern finden Gnade vor ihrem strengen Urteil.
Am Rande des Nervenzusammenbruchs steht sie schließlich im Hochzeitskleid auf der Bühne und zählt auf, was alles schief geht. „Ist das der schönste Tag im Leben? Nein!“, endet ihre „Es-klappt-nicht-Polka“, in der sie die Gemütsverfassung einer Frau kurz vor der Hochzeit meisterhaft ins Hysterische übertrieben besingt. Dass aus der ganzen Sache dann doch nichts wird, war natürlich vorauszusehen. Geld allein macht eben nicht glücklich und so kommt im letzten Moment die mehr oder weniger überraschende Wende.
„Wahrscheinlich werden wir uns ewig lieben, lauter süße Kinder kriegen, zwei oder drei pro Jahr“, blickt am Ende ein anderes glückliches Paar in die Zukunft. Und dann wird es nicht nur lustig, sondern auch noch ein ganz klein bisschen romantisch. Heute Abend ist „nimm mich!“ zum letzten Mal im Bikuz zu sehen. Die Vorstellunge beginnt um 20 Uhr.
Von Jörn Harders
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