DAS IST DOCH ALLES BLÖDSINN
Spaß und A-capella-Gesang mit "LaLeLu"
Lüneburger Zeitung, 22.02.2010
Aat Lüneburg. Ein Blick auf Klassik- und Popgeschichte, auf die Allüren bekannter Musiker und anderer Promis, dazu witzige Interpretationen, gepflegte Gesangskunst, zündende Showelemente und gute Stimmen-Imitationen: Das ist die Show „Große Kunst. Für sehr viel Geld“, präsentiert von dem A-capella- Quartett „LaLeLu“. In der vollbesetzten Konzertscheune des Kulturforums hatte das Publikum Spaß an dem Spektakel, reagierte mit andauerndem Gelächter und begeistertem Beifall.
Die Wahl-Hamburger bringen seit 15 Jahren ihre Kunst-Trips um typische Eitelkeiten und menschliche komplexe Alltagssituationen auf die Bühne. Im „Kunst“- Programm um gut bezahlte Musik stellt LaLeLu das Instrumentarium selbst: Geigentöne werden im Trio imitiert, als würdige Begleiter für eine Arie Georg Philip Telemanns. Der Barock-Komponist trägt seine Kantate „höchst persönlich“ vor – ein Hofsänger (Tobias Hanf), der einen Nonsens-Text mit ernstem Gesicht, butterweicher Bass Stimme und zünftiger Kostümierung in Allongeperücke deklamierte.
Tobias Hanf ist der Stimmvirtuose des Teams, der sich mühelos in Reich-Ranicki („Das ist doch alles Blödsinn“), Müntefering („Da gibt es gar nichts zu diskutieren“), oder Stoiber („ Ich habe ich werde ich kann“) versetzen kann. Zusammen mit den anderen ist er für den virtuosen Satzgesang á la Palestrina unentbehrlich, aber auch für die Veralberung von Pop-Stars wie Dieter Bohlen und Peter Maffay.
Auch die anderen sind brillante Stimm- und Verwandlungskünstler: Unter dem Motto „Kontaktanzeigen“ tat Jan Melzer als altmodischer Sultan seine Meinung zum Thema „Werbung um die begehrte Frau“ kund. Melzer kann aber auch blitzschnell Udo Lindenberg herzaubern oder Enrique Iglesias Fahrtipps für Führerscheinprüflinge geben lassen. Der dritte Mann im Bunde ist Sören Sieg, ideenstrotzender Komponist, Arrangeur, Moderator und Sänger gleichermaßen. Vor allem aber ist er witzig und weiß das Publikum einzubeziehen.
Der erste Teil des Abends birgt desto mehr Komik, je mehr der Zuhörer von Rembrandt und Barockmusik, alter Kunst und moderner Klassik versteht. Die zweite Hälfte kapiert jeder, geht es doch vor allem um bekannte Popmusik und ihre Interpreten, die den Grenzgang am Rande des Klamauks bestens vertragen. Musikalisches können und schauspielerisches Talent, wie es auch die Dame des Quartetts, die gebürtige Finnin Sanna Nyman mit großartiger Laune, leidenschaftlicher Stimme und Esprit bewies, verhinderte den Eindruck allzu flacher Effekthascherei. Der Abend, der immer witziger wurde, ging mit einem turbulenten 25-Popsong-Marathon zu Ende.
Zurück