BEGRIFF "KUNST" IST DEHNBAR
WESTFALENBLATT, 28.11.06
LALELU - Singende Comedians begeistern das Publikum in Delbrück.
Delbrück (kro) »Große Kunst. Für sehr viel Geld« bot am Sonntagabend vor rund 300 Zuhörern in der Stadthalle das Hamburger Quartett »LaLeLu«. So versprach es der Titel des über zweistündigen Programms, mit dem Sören Sieg, Sonja Wilts, Tobias Hanf und Jan Melzer in Delbrück gastierten.
Tatsächlich aber erwies sich ihre einzigartige Mischung aus perfektem Satzgesang, originellen Arrangements, kulturverdächtigen Eigenkompositionen, erstaunlichen Stimmimitationen und komischer Bühnenshow statt überteuert als jeden Euro wert. Schließlich verspürten die vier a-capella-Komiker keine Scheu, den Begriff »Kunst« weit auszulegen.
So widmete sich »LaLeLu« mit einem Abstecher in das literarische Genre der Kontaktanzeige zunächst der Kunst, einen Partner fürs Leben zu finden. Immerhin hat es nicht jeder Mensch diesbezüglich so einfach wie Konzertbesucher Helmut Kerkloh aus Ostenland, der sich schon nach ein paar Minuten für den Rest des Abends der tiefen Zuneigung Sonja Wilts sicher sein konnte.
Von der Barock-Kantate »Ich bin ein Kuschelbär« über Öz Cemdemirs arabische Weise »Dann schreibe mit bitte mit Bild«, die moderne 12-Ton-Komposition »Klein und Wuchs« und das frivole Mädchen-Lied »Schmetterling sucht Blumenwiese« spannte »LaLeLu« den Bogen weiter zu den Perlen des aktuellen Kinderliedgutes. Der Ohrwurm »Ich will nur Pfannkuchen« ließ die vier singenden Comedians bis zur zweiten Konzerthälfte nicht mehr los. Hier ging es erstmal um die hohe Kunst der Fernsehunterhaltung. Dafür berief Imitator Tobias Hanf auf vergnügliche Weise neben Reich-Ranicki auch einen stammelnden Stoiber, einen ungezügelten Müntefering und eine optimistische Merkel zum literarischen Quartett ein. Für Nonsens auf bierernste Art garantierte die Gruppe um Moderator Sören Sieg mit ihrer »Ode an den fliegenden Grünkernbratling«. Das schwerste Schicksal eines Künstlerkindes beleuchtete Enrique Iglesias alias Jan Melzer mit dem Poptitel »Ich kann auch nicht fahren, baby«.
Zu Stehapplaus ließ sich das Publikum durch ein kontrastreiches Potpourri der 25 vermeintlich besten Stücke des 20. Jahrhunderts hinreißen. Aus zogen die vier gefeierten Hamburger ganz ohne Mikros und folglich unverstärkt mit afrikanischen Klängen.
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