AUSGEKLÜGELTE SHOW MIT LUST AUF IRONIE
LaLeLu beweist seine exzellente a-cappella-Qualität in der Gaggenauer Kleinkunstbühne
Badische Neueste Nachrichten, 17.03.2009
„Heidrun Haendle“, die Gaggenauer Kulturamtsleiterin, „und hatte ein gutes Händle“, sagte Sören Sieg und meinte damit die Verpflichtung von „LaLeLu“ für das aktuelle Kulturrauschprogramm. Er traf damit voll die Meinung der Zuhörer im proppenvollen klag; diese hatten mit dem exzellenten A-cappella-Quartett einen höchstvergnüglichen Abend erlebt – mit fantastischen Gesangsnummern, pointenreich, witzig-intelligenten Texten und einer spritzigen Bühnenshow, die ihresgleichen sucht.
Da passt einfach alles zusammen bei dem Hamburger Vokalensemble. Stimmlich sind die vier Solisten und Ensemblesänger sowieso Extraklasse. Im konkurrenzreichen Genre des A-cappella-Gesangs haben sie in der Komik „ihre“ Nische gefunden. Exzellentes schauspielerisches Vermögen, urwüchsiges Komödiantentum, bestechendes Rhythmusgefühl in ihrer Choreografie und stimmimitatorische Virtuosität bringen sie in ihrer ausgeklügelten Show ein und das mit merklicher Lust am Persiflage, Ironie – als Salz in der Suppe bisweilen mit einem Schuss Sarkasmus gewürzt.
Versöhnlich war es, dass mit dem in „altem“ Satz zelebrierten, danach kunstvoll in vielfacher Weise variierten Abendlied „Kein schöner Land“ das vorher satirereich arg gebeutelte Deutschland wieder seinen Frieden fand. Um vielerlei Befindlichkeiten in unserem Staat ging es in diesem Programm – um die, die das Staatsschiff lenken ebenso wie um die, die es lenken werden. „Eher wird Merkel noch Mutter, bevor ein Hesse dem Alkohol entsagt; eher schwört der Papst auf Luther, ehe dir ein Berliner den Weg erklärt“, das sind nur zwei der vielen Spitzen, mit denen jede Menge Klischees bedient wurden. Im Bundesländer-Battle“ beispielsweise, in dem sich die vier Vokalisten als versierte Rapper outeten, wurden schonungslos die vier norddeutschen Länder gegeneinander ausgespielt. Für Mecklenburg-Vorpommern holte schließlich die aus bilateraler Beziehung zwischen Meck-Pomm und Finnland hervorgegangene Sopranistin Sanna Nyman einen viel umjubelten Sieg. Höhepunkt war danach ein Blick in die Zukunft mit der traurigen Ballade: „ Schade, dass sie ausgestorben sind.“ Gemeint waren die Deutschen, „zu doof zum Kinder kriegen“, von denen es nur noch versprengte Reste, verteilt auf der ganzen Welt, gab. Deren ganzer Trost war die Feststellung „dass auch die Niederlande abgesoffen sind“.
„LaLeLu“ wäre nicht „LaLeLu“, wenn sie das Deutschland-Thema so ernst nehmen, das keine anderen Aspekte im überaus bunten Programm-Cocktail Platz fänden. Ernst nehmen ist sowieso nicht die Sache dieses Ensembles; dafür sorgt vor allem das Allround-Talent Sören Sieg, Spiritus Rector des Quartetts, Texter, Komponist, Arrangeur, Moderator und hoher Tenor, mit sprühenden und zündenden Einfällen, ein ausgesprochener Bühnenquirl mit spürbarem Hang zur Perfektion. Die tonale Grundlage in seinen ausgeklügelten, ideenreichen Arrangements liefert der samtig-weiche, stets bestens präsente Bass von Tobais Hanf, der sich, nachdem er auf Sächsisch gegen Amerikanismen gewehrt hat, mit seiner fantastischen parodistischen Soloeinlage auch als Stimmenimitator der Spitzenklasse erwies. Aber auch wirklich alle der üblichen Parodie-Verdächtigen sind Mitglieder seines Panoptikums mit „Münte“ als ruhendem Pol.
Rock und Pop sind die Sache von Bariton Jan Melzer. Egal, ob er in die packende Coverversion von “Brazil“ die halbe Fußball-Nationalmannschaft einbaut, als Iglesias-Parodie mit einem fast erotischen Faible für Profalla glänzt oder eine fetzige Improvisation auf dem Tenorsaxophon einstreut. Die „Neue“ im Ensemble, die Finnin Sanna Nyman, ist ein Volltreffer. Besonders ihre tolle Coverversion von „Hot Stuff“, ihre urkomische Comedy-Nummer als „Geräusche-Woman“, vor allem aber der finnisch-deutsche „Saunatango“ der Jazz- und Soulsängerin waren echte Knaller. Das war, auch dank des eingangserwähnten „Händchens“, wieder einmal ein „Gute-Laune-Abend“, der begeisterte.
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