Über LaLeLu / Presse

AUF DIE KEHLKÖPFE GESCHNEIDERT

Kieler Nachrichten, 19.09.2010

LaLeLu begeisterten beim Kunstflecken-Konzert in der Werkhalle.



Neumünster. Ob Rap, Rock HipHop oder Paul-Gerhardt-Kirchenlied - LaLeLu haben es einfach drauf. Von poetisch zart bis rockig hart - Singen ist ihr Metier. Mit gepflegt-poliertem Schönklang, originellen Texten, Witzen mit Lokalkolorit und viel Choreografie entlockte das Quartett dem Neumünsteraner Publikum in der Werkhalle Begeisterungsstürme.

Bundesbahn-Blues, Enten füttern im Park, eine ironische Eloge auf Ronald Poloff samt ekstatischer Falsett-Einlage oder die Persiflage auf eine vier Strophen dauernde Sterbeszene in der Oper - die Lieder sind Sören Sieg, Jan Melzer, Tobias Hanf und Sanna Nyman auf die Kehlköpfe geschneidert. Ihre Melodien und Human-Beatbox-Rhythmen sind Ohrschmeichler. LaLeLus Pointen sitzen immer zwischen Kalauer und bitterbösem Sarkasmus. „Kaufen Sie zehn Villen in der Marienstraße“, flirtet Jan Melzer in seiner Kurzrolle als Makler schamlos charmant ins Publikum. - „Dann bekommen Sie eine Garage im Vicelinviertel kostenlos dazu“ - ein Lachmuskel reizendes Angebot, dem wohl so mancher Ortskundige im echten Leben widerstehen kann.

Brombeerfarbene Samtanzüge mit weißen Hemden? Unter dem soften Outfit der Artigen verbergen sich Kerle, die es mit ihrer selbstironischer Verwandlungslust mit Sanna im bauchfreien Emma-Peel-Zweiteiler aufnehmen können. Beim Vierländer-Rap federt Sören im weißen Totenkopf-Feinripp(!)-Unterhemd über die Bühne. Lässig dagegen Tobias mit seiner unkaputtbaren Gel-Frisur unterm Cowboy-Hut mit einem an der Krempe baumelnden Wunderbaum, den er als Trucker zur jugendlichen Gunter-Gabriel-Stimme trägt. Jan Melzer besticht mit aus langen Haaren distelartig hochgesteckter Elvis-Tolle, im Torero-Kostüm und als Virtuose auf der aufblasbaren St.Pauli-Luftgitarre.

Lachsalven wogen durch den Raum, als Tobias Politprominenz und Marcel Reich-Ranicki mit einer wuuundärrbaaaren Lispelnachahmung persifliert.

Das Improvisationsbonbon zum Schluss. Sören bastelte beim Singen aus ihm von einer Zuschauerin zugerufenen, nicht gerade überbordend lyrischen Begriffen wie „Eckernförde“, „Robbe“, „Möhre“ und „Bikini“ ein sich reimendes Liebeslied mit mehreren Strophen. Hut ab vor soviel Talent.
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