Über LaLeLu / Presse

ALLES WIRD GUT

MAIN ECHO KULTUR, 10.03.07
Heiraten im Stadttheater: LaLeLu zeigt wie



Aschaffenburg. Der schönste Tag im Leben – was für ein Witz! Nimm mich, fleht der eine, ich brauch `ne Frau winselt der zweite und der dritte bemitleidet sich, weil er wegen seiner Körpergröße keine abkriegt. Das Objekt der Begierde flennt los, weil es sich so aufregt und wählt – in der Dichtung gibt’s fast immer ein glaubwürdiges Happy End – den Richtigen aus den drei Gurken aus. Wäre das im wahren Leben doch auch so einfach! Es gäbe keine Scheidungen mehr.
Klingt alles wie gehabt, macht aber nix: Ein guter Drehbuchautor, Schriftsteller oder Liedermacher findet im Bewährten einen neuen Dreh. Die Gesangskomiker „LaLeLu“ sind gut: Ihre als Hochzeitsoper titulierte A-Capella-Show „Nimm mich!“ überzeugte am Donnerstag im Stadttheater Aschaffenburger mit einer schmissigen Geschichte, in der die Frau den Verstand verliert, den die Männer nie besessen haben. Und trotzdem wendet sich alles zum Guten.
„LaLeLu“ überzeugen mit Witz, musikalischer Brillanz und einer Show, in der sie trotz Hochzeit sogar das unterbringen, wofür sie seit Jahren landauf, landab geliebt werden: Polit-Satire und Stimmenimitation. Axel Teuscher vom Hofgarten-Kabarett weiß schon, warum er die Hamburger auch mit ihrem achten Programm nach Aschaffenburg geholt hat und sie im Stadttheater auftreten lässt: Das Haus ist voll, das Publikum rast.
Eiskalt rieselt’s den Rücken runter, wenn Tobias Hanf als Porno-Bernd mit herrlich sattem Bass um Sonja Wilts als Braut wirbt, dabei den kellnernden Sören Sieg wie auch geldadeligen Jan Meltzer auszustechen versucht. Ginge es nach der Stimme, müsste die Braut Hanf wegen des intonatorisch sauberen Operntimbre wählen. Zudem steckt im testosterongeladenen Angeber-Fahrlehrer ein schwäbisch-kluges Kerlchen, das die Ehe von Clemens Brentano bis Elfriede Jelinek zu reflektieren weiß. Oder sollte sie besser Meltzer wegen des ach so italienischen Bariton-Schmelzes wählen? Oder Sieg allein schon deshalb, weil sein Tenor so unglaublich hoch klettert?
Zudem hat Sieg fast all die wunderbar (selbst-)ironischen, gefühlvollen, komischen Lieder arrangiert und komponiert – vom gregorianischen Gesang über die rasante Polka bis hin zum Böse-Buben-Rap. Lobenswerterweise hat er die Hochzeits-Schmonzette nicht künstlich in die Länge gezogen (ein beliebter Fehler), da sie mit Pause länger als zwei Stunden dauert.
Nach „Nimm mich!“ kommen einfach eine halbe Stunde voller Lieder und „LaLeLu“-Anekdoten (Wahrheit und Dichtung…) rund ums Heiraten, die man als Programmpunkt oder Zugabe verstehen kann. Eine nicht jugendfreie, aber urkomische Parodie aufs brave Volkslied „Die nVogelhochzeit“ zum Beispiel: Da nehmen „LaLeLu“ erst sich und hinterher das Publikum völlig aufs Korn. Das kann sogar darüber lachen… Ist das nicht schön? (Susanne von Mach)

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