A-CAPELLA-OPER FÜR HERZ UND HOSE
Achimer Kurier, 15.05.2007
Gastspiel von LaLeLu im Kasch vor begeistertem Publikum / Romantik und Selbstironie mit frechen Texten
Achim: Was hat die schöne Sonja, was viele andere Frauen nicht haben? Eine tolle stimme und – vor allem – drei Männer, die um sie buhlen. Die balzen, baggern, und ihr die Sterne vom Himmel versprechen. Beim Gastspiel der A-capella-Truppe LaLeLu im Achimer Kasch, die ihre Hochzeitsshow „Nimm mich“ vorstellte, kamen nicht nur Romantiker auf ihre Kosten.
Dafür sorgt schon Porno-Bernd, der Fahrlehrer aus Pinneberg. Cowboystiefel mit Stickereien, Muscle-Shirt, Sonnenbrille und Luden-Bärtchen. Testosteron ist sein zweiter Vorname, und mangelndes Selbstbewusstsein im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht kann man ihm nicht vorwerfen. „Ich sag, Baby, entspann dich“, rappt er und „Brad Pitt hat bei mir gelernt. Ich zeig’ dir, wer den größten Kühler hat.“
Dass er bei Sonja trotzdem nicht landen kann und trotz ständiger Anmache nichts zum Abschleppen findet, ficht Bernd nicht an. Aber die Konkurrenz auf der Bühne ist auch hart. Da ist der kleinwüchsige, aber sensible Kellner, der sich mit Sonja eine Möhre teilt und stets im ungünstigsten Augenblick die Bestellung aufnimmt. Und er Hanseatensohn mit dem Modemacherzöpfchen, der dringend eine Frau zum Heiraten braucht, um sein Erbe zu sichern. Da wird selbst Sonja schwach, zumal der Mann im feinen Zwirn im richtigen Moment mit einem dicken Klunker um die Ecke kommt. „Das Glück weckte mich ganz sachte, er hat noch mehr Geld, als ich dachte“, singt die Schöne nach der Verlobung. Doch dann kommen die Zweifel, und die Geschichte schlägt doch noch den einen oder anderen Haken.
Für ihr achtes Programm haben sich Jan Melzer, Sören Sieg, Sonja Wilts und Tobias Hanf etwas ganz Seltenes einfallen lassen: eine A-capella-Oper. Komponiert, gereimt und in Szene gesetzt von Sören Sieg, entpuppt sich „Nimm mich“ als turbulenter Bühnenspaß mit selbstironischen Charakter, frechen Texten und mitreißenden Melodien.
Alle vier Akteure verfügen zudem über starke Stimmen, und zum Glück ist die Geschichte nicht nur Vehikel für die Musik, sie unterhält auch mit dem einen oder anderen dramaturgischen Salto. Musikalisch besticht die A-capella-Oper als Mixtur aus Chorälen, HipHop, Pop und Jazz. Ob Drum ’n’ Bass oder jaulendes Gitarrensolo, mit ihren Stimmen machen LaLeLu jede Begleitband überflüssig.
Sonja Wilts meistert auf der Bühne bravourös den Spagat zwischen blonder Traumfrau und Zicke im Hochzeitskleid, die kurz vor der Ehelichung haarscharf am Nervenzusammenbruch entlangschliddert und zur Beruhigung einen tiefen Schluck aus dem Flachmann nimmt. „Die Frisur ist auch beschissen, jetzt wird sie noch mal umgeschmissen“, singt sie und bricht in hysterisches Heulen aus. Da wittert natürlich Porno-Bernd seine Chance, aber bevor er zum Zuge kommt hat der Kellner bereits per Mohrrübe Trost gespendet und das Rennen ist entschieden. „Ich lag mit 1:0 vorn, dann kam der FC Bayern mit zwei Gegentorn“, klagt der Erbe, während Porno-Bernd ankündigt, künftig mit Liebeskerosin zu kochen. Komponist Sören Sieg schließlich singt – wie passend – das Hohelied des Busens, und bevor die Truppe nach stehenden Ovationen und zahlreichen Zugaben die Bühne im voll besetzten Saal verlassen darf, wird es noch mal angemessen schlüpfrig und versaut. Denn Sonja Wilts Version des Vogelhändlers zielt nicht mehr auf die Herzen, sondern nur noch auf die Hosen des Publikums. In dieser Form wir d LaLeLu gerne genommen.
Zurück