A-CAPELLA: EINFACH BRILLANT UND BODENSTÄNDIG
Pinneberger Tageblatt, 24.09.2007
Rellingen: Gesangskomiker von "LaLeLu" zelebrieren Supershow im ausverkauften Schulzentrum Egenbüttel
„Große Kunst. Für ganz viel Geld“ heißt das Programm von „LaLeLu“. Akribisch und komisch filettierte das begnadete Quartett Glanz und Elend in der Showbranche.
Sie treffen den Ton noch präzise, wenn ihr Oberkörper seitlich abgeknickt ist und die Locken der Allongeperücke über die Augen fallen. Ohne Respekt und Gnade zersäbeln sie Ikonen der Musikgeschichte, von Telemann über Alban Berg bis Heino. Selbst in Kinderliedern von Zuckowski bis Heymann entblößen sie akribisch Abgründe. Und das alles wunderbar arrangiert von Komponist und Sänger Sören Sieg als A-capella-Nummern vom Feinsten.
Die vier Gesangskomiker von „LaLeLu“ agieren so brillant wie bodenständig. Sie parodieren virtuos Zwölftonmusik und singen mit dem Publikum „Hänschen klein“. Dieser Spagat zwischen hoher musikalischer Professionalität und fester Bodenhaftung gepaart mit einer Portion schwärzesten Humor macht den Reiz der in ganz Deutschland erfolgreichen Truppe aus. Und zwar ganz besonders bei ihrem aktuellen Programm „Große Kunst. Für ganz viel Geld“. Mit der geballten Kraft ihrer bestens ausgebildeten Stimmen enttarnen die singenden Eulenspiegel den Werbezirkus um die Pseudo-Größen des Showgeschäftes als hohle Publikumsverhöhnung. Genüsslich ziehen sie in der Playback-Satire um den fiktiven Schlagerstar „Florian Klüver“ – Ähnlichkeit mit lebenden TV-Sängern sind selbstverständlich gewollt – die verlogene Künstlichkeit der Hitparaden-Branche durch den Kakao.
Wer deutsche Volksmusik-Gurus mit Genuss verunglimpft, für den bietet der professionelle Pop-Schmachter Enrique Iglesias eine Steilvorlage. Die ließen die vier Spötter sich nicht entgehen: Sie ließen den Teenie-Schwarm auf Deutsch singen. Mit zittrig-schmelzendem Bariton wie das Original – und mit gepflegtem iberischem Akzent – enttarnet Jan Melzer dessen einträgliche Sanges-„Kunst“ als inhaltsleeren Akkorde-Reigen.
Oder die gestelzte Phrasendrescherei pseudo-intellektueller TV-Talker. Urkomisch setzten Sieg und seine Mitstreiter Sonja Wilts, Tobias Hanf und Jan Melzer öffentlich-rechtliches Kunstgeschwafel in Szene.
Und schalteten von augenzwinkernder Satire blitzschnell auf richtig zu Herzen gehenden Gesang um: Der samtige Schmuseklassiker „When I fall in love“ nach den „Kontaktanzeigen-Kantaten“ von Barock bis Zwölfton-Zumutungen gehörte ebenso wie die Zugabe – ein freches Potpourri von „Veronika, der Lenz ist das“ über Heintje und Grönemeyer bis „Macarena“ – zu den Glanstücken des Abends.
Dazu zählte auch das „Literarische Quartett“ á la „LaLeLu“: Tobias Hanf parodierte so zungenfertig wie bissig Reich-Ranicki, Stoiber, Merkel und Müntefering. Ihr Thema selbstverständlich: Was ist Kunst? Das, was „LaLeLu“ auf die Bühne bringen, ganz bestimmt. Sie sind große Kleinkünstler. „Ganz viel Geld“ sei ihnen gegönnt.
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