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Weserkurierkolumne "Nichtraucherlaptop"

Wollten Sie nicht auch das Rauchen aufgeben? 88% der deutschen Raucher haben es sich Sylvester vorgenommen. 0,4% haben bis heute durchgehalten. Und das ist auch gut so. Mein Komponistenfreund Tom war jahrelang ein quicklebendiger und gertenschlanker Ketten-raucher. Anfang Januar verkündete er stets, er habe das Rauchen jetzt endgültig aufgegeben. Und vor drei Jahren passierte es: er hielt durch. Und verwandelte sich binnen weniger Wochen in einen phlegmatischen, übergewichtigen Melancholiker. Oder mein Vater. Mit 44 gab er das Rauchen auf, um es meinem 14-jährigen Bruder verbieten zu können. Seitdem ist mein Vater ein schlechtgelaunter Misanthrop. Und mein Bruder raucht Kette. Seit 25 Jahren. Heute legt mir Lukas beim Mittagessen einen Zettel hin: Selbstverpflichtung im Rahmen des Anti-Drogenprogramms. Lukas' Schule steht nämlich im Ruf, eine schlimme Raucher- und Kifferschule zu sein. Doch sie tut etwas dagegen. Klassen, in denen noch keiner raucht, können etwas gewinnen: Theaterbesuche, Buchpakete, Bundesligakarten. Und nun das: Hiermit verspreche ich, meinem Sohn Lukas ein PowerBook zu schenken, wenn er bis zum 18.Geburtstag nicht raucht. "War das deine Idee?" frage ich. Ein Powerbook ist so ungefähr das teuerste, was Apple zu bieten hat. "Meinet-wegen auch nur 'n MacBook", schlägt Lukas vor. Ich bin sprachlos. "Es ist wenigstens eine handfeste Motivation!" sagt Eva, meine Frau. Ich schüttele den Kopf. "Glaubt ihr, mir hat irgendjemand mal was geschenkt, weil ich nicht rauche?" - "Damals war die Pädagogik eben noch nicht so weit", sagt Lukas und beißt von seinem sechsten Würstchen ab. "Nu sei mal nicht so geizig, Papa!" sagt Leo mit vollem Mund. "Hallo, seid Ihr noch klar im Kopf? Was kriegt er denn dafür, dass er nicht kifft? Oder kein LSD nimmt?" – "Was ist LSD?" fragt Lina. "Das ist total out", erklärt Lukas. "Heute schnupft man Kokain..." – "Woher weißt du das, bitte?" – "Chill, Digger! Das weiß jeder!" - "Überleg doch mal", sagt meine Frau so sanft, als sei ich ein Herzinfarktpatient. "Es ist im Rahmen der Drogenprävention..." Ich fass es nicht. "UND WENN ER NIEMAND UM-LEGT, KRIEGT ER EIN CABRIO, ODER WAS?" brülle ich. Lukas grinst. "Warum nicht?" – "Und wir auch!" rufen Leo und Lina. "Wisst Ihr was?" sage ich, wieder ganz cool. "Alle großen Dichter waren Kettenraucher. Und alle Rockmusiker kiffen. Warum sollte ich euch daran hindern, Künstler zu werden?" Lina starrt mich an. "Papa, spinnst du? Weißt du, wie gefährlich diese Drogen sind?" Ich zucke mit den Schultern. "Das wird total übertrieben. Diese Handystrahlung – die ist gefährlich! Und Pommes Frites erst!" Gegen Sozialpädagogen hilft eben manchmal nur die ganze Wahrheit. In diesem Sinne: Schönen Sonntag!

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