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Es klingelt. "Omi und Opa!" ruft Leo und rennt
zur Tür, meinen Eltern in die Arme. "Opa!"
kräht er, "ich bin richtig reich!" – "Na, mein
Spatzl", sagt Opa Herbert, "wieso denn?"
Während die beiden ihre Mäntel ablegen, tanzt
Leo begeistert um sie herum. "Wir hatten
Flohmarkt in der Schule!" sagt er. "Ratet mal,
was ich verdient hab!" – "Keine Ahnung", sagt
Omi. "Fünf Euro?" Leo strahlt. "Fa-alsch!
Weiter raten!!" Sie guckt ungläubig. "Sieben
Euro?" – "Opa, rate du mal!" – "Drei Euro?"
knurrt Opa Herbert. "Fünfzig!" platzt Leo
heraus. "Das war so krass! Weil Dari wollte für
die beiden Feuerwehrautos erst nur 15 Euro
rausrücken! Aber ich hab einfach gesagt..."
Meine Mutter starrt mich entsetzt an. Dann
fixiert sie Leo. "Du hast die beiden Feuerwehr-
autos verkauft?" – "Ja, und die Polizeistation!
Und noch 'n paar Bücher. Also Dari..." Meine
Eltern wechseln unheilvolle Blicke. Es sieht
aus, als wollten sie gleich wieder gehen.
"Spatzl", sagt Opa Herbert, "das waren doch
nicht die Feuerwehrautos, die Omi und ich dir
letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt haben?"
Leo überhört den besorgten Tonfall. "Quatsch,
Opa!" sagt er. "Das war vor zwei Jahren! Und
ich wünsch mir ja jetzt von Euch den Star Wars
Truppentransporter. Und da fehlen mir natürlich
noch jede Menge Figuren! Joda, Chewbacca,
Han Solo..." Meine Mutter guckt entgeistert
ihren Enkel an. "Leo! Du verramscht die
Weihnachtsgeschenke von Omi und Opa auf
dem FLOHMARKT?" Ich erinnere mich.
Meine Schwester wäre mit 17 fast enterbt
worden, weil sie die Wollpullover verkaufen
wollte, die meine Mutter ihr mühsam gestrickt
hatte. Allerdings hatte niemand sie kaufen
wollen. "Sören", die Stimme meines Vaters
wird scharf, "so üppig ist meine Rente ja nun
nicht. Für diese Feuerwehrstation haben wir
damals über 100€ ausgegeben!" – "Herbert,
jetzt übertreib mal nicht!" mischt sich Lukas
ein. "Das Ding hat doch höchstens 'nen Fuffi
gekostet. Wenn's kein Sonderangebot war." –
"Das war kein Sonderangebot!" sagt meine
Mutter mit hochrotem Kopf. "Aber Omi",
verteidigt sich Leo, "ich bin doch kein Baby
mehr! Ich bin sieben! Ich spiel doch nicht mehr
mit Feuerwehrautos!" Die beiden sehen sich an.
"Wenn du unsere teuren Geschenke mal eben so
verramschst, Spatzl, dann können Omi und ich
dir auch nichts Wertvolles mehr schenken!"
Leo schluckt. "Heißt das --- ich kriege von
Euch nichts zu Weihnachten?" Tränen schießen
ihm in die Augen. "Das lag doch alles bloß
rum", krächzt Lukas. "Nun gönnt ihm doch
seinen kleinen Gewinn! Ich hab auch die
Gitarre verkauft, die Ihr mir mal geschenkt
habt." – "DIE GITARRE?" Meine Mutter ist
dem Herzinfarkt nahe. Also bitte: verraten Sie
ihr nicht, dass Lina ihr Puppenhaus verhökert
hat. In diesem Sinne: Schönen ersten Advent!