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Eitler des Monats November 2009

Ist das so mit den alten Helden? Müssen die so werden (siehe Nena)? Obwohl: Udo Lindenberg ist so jenseits von Gut und Böse, den würden wir wahrscheinlich niemals zum Eitlen des Monats küren… Dazu ist er zu beknackt (liebevoll gemeint).
Aber hier und heute geht es um einen gefallen Engel, der einmal Stadien füllte (was schon damals in keiner Relation zu der Größe seiner Kunst stand) und der dadurch wohl einen Knacks davon getragen hat:

Die GOLDENE POMADE für den November 2009 geht an:

Marius Müller-Westernhagen!

Gesangsdarsteller

Begründung der Jury:

Wir hatten ihn schon gnädig vergessen, vielleicht noch hin und wieder „Ich will zurück auf die Straße, will wieder singen nicht schön, sondern geil und laut!“ gemurmelt und ansonsten entspannt Selig gehört, da kommt dieser lustige Schneemann passend zu seinem 60. Geburtstag mit einer neuen CD heraus. „Williamsburg“. Aha. Ein Deutschrock-Album mit englischem Titel … Na gut.
Die Presse drehte durch: „Halb Stadtindianer, halb kühner Visionär: Entspannter Blues und die Intensität des Soul - das CD-Cover löst sein Versprechen ein.“, dichtete das Hamburger Abendblatt. Er selbst sagt auf seiner Homepage: „Es ist ein Album voller Blues und Soul, das swingt, ein Rock-Album, das Tango tanzt. Das wuchtig klingt wie eine Jam-Session in einer brennenden Scheune und sich dabei so lässig anfühlt wie der Regenguss danach."
Wow, das klingt vielversprechend. LaLeLu, nicht faul, rannte los um teilzuhaben an diesem kunsthistorischen Moment und kaufte sich die CD.
Es ist ein bisschen das Westerwelle-Phänomen: Wenn man derartig die Klappe aufreißt, muß danach schon ein echter Hammer kommen. Und Ok, die Musiker sind gut, die waren auch auf dem letzten Sheryl Crow-Album toll.
… aber der „Sänger“ …
Marius, Marius, Gesang hat etwas mit Tonbildung, Melodieführung UND inneren Gefühlen zu tun. Gesang bedeutet NICHT, dass man wie bei Ikea die Schraube 19 in das Seitenteil F schraubt um dann exakt das Eckregal „Soul“ zu erhalten.
Wer hat Dir bloß erzählt, dass Dein Brausetablette-artiges Gegurgel Gefühl ausdrückt. Es klingt einfach nur wie Louis Armstrong für Arme und wird von Dir so derartig unsensibel, planlos und beliebig eingesetzt, dass jeder Ansatz von Emotion im Keim erstickt wird. Bitte, Deine Lieder wären zu 100% glaubwürdiger und schöner ohne dies. Dieses „Geräusch“ ist einfach nur eitel. Die Gefühlssimulation eines Gesangsdarstellers.
Aber hahaaa, das ist noch nicht alles! Sobald auch nur von Ferne im Nebel das Wort Ballade zu lesen ist, verfällst Du in ein Vibrato, das jeder Schlagersänger angewidert von sich weisen würde. Was soll das? Wir hören doch nicht ein „Rock-Album“, um mit Schlager-Tremolo zugeschleimt zu werden. Und das Schlimme: Auch hier dient es wieder nicht dem Song, sondern einzig und allein der Eitelkeit des Sängers. Wir wiederholen: Die Gefühlssimulation eines Gesangsdarstellers.
Die Fotos, die Du Dir von Bryan Adams (sic!) hast zusammenknipsen lassen, tun ein Übriges und sind die optische Entsprechung von Gurgeln und Tremolieren.
Zum Schluss etwas Versöhnliches: Was Du wirklich kannst, sind skurrile, kleine Lieder, ohne Ehrgeiz mit sperriger Melodie, rhythmischen Sprechgesang und absurden Text. Davon gibt es 3 Stück auf der Platte. Und die sind geil!!! Nochmal das Abendblatt: „Westernhagen tut hier, was er am besten kann: Er setzt seine Stimme ein wie ein Rhythmusinstrument, er isoliert einzelne Wörter und Silben." Stimmt.
Möge ein Produzent dies mal entdecken und eine Dir angemessene Platte nur aus solchen Liedern mit Dir machen. Und bitte OHNE Dein Mitspracherecht!! DAS wäre dann Kunst! Oder wie Du selbst sagen würdest: „Auf Marius Müller-Westernhagens neuer LP steht deshalb auch wieder jene Authentizität im Vordergrund, die den Künstler überhaupt erst zu dem gemacht hat, was er bis heute ist: der Mann mit der Stimme, der Mann mit den Geschichten und der Mann mit dem entsprechenden Arbeitsethos. Williamsburg ist das klassische Album eines klassischen Interpreten, der sich in erster Linie als Musiker und Künstler versteht und nicht als Dienstleister im Auftrag der Entertainment-Branche.“

Dein Wort in Mick Jaggers Ohr …

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