Dieser Eitle des Monats ist vor allem für Musiker und geht nicht an eine bestimmte Person, sondern an DEN Musikladen in Hamburg.
Begründung der Jury:
Eigentlich ist es das Paradies eines jeden Musikers.
Du kommst rein in einen alten Bunker (wir kennen so was alle von unseren Übungsräumen, gelle?), bzw. in DEN Bunker am Heiligengeistfeld, was an sich schon kultig ist, und fällst in eine Welt aus Instrumenten über Instrumenten. Das musikalische Schlaraffenland. Das ist ein bißchen wie für Frauen IKEA ...
Wenn man will kann man dort den ganzen Tag verbringen und ein Gerät nach dem anderen ausprobieren.
Auch schön: Ich stelle mich manchmal an den Verkaufstresen und lausche den Gesprächen (vor allem in der Gitarrenabteilung) junger, hoffnungsvoller Männer:
„Ey Alter, welche Features hat denn das neue FBC 2000 F? Kann man da schön amtlich das Brett anbieten, oder ist das mehr so die Vintage-Kiste?“
Und im Gegensatz zu mir versteht der Verkäufer jedes Wort und antwortet prompt:
„Das FBC 2000 F gibt es nicht mehr. Da brauchst Du jetzt das FBC 2000 F Action, aber da passen die Kabel nicht mehr rein ... Die sind jetzt auf Speakon umgestellt worden. Und XLR auf Speakon akzeptieren die nicht. Am besten Du kaufst ein neues ...“
So geht das die ganze Zeit. Für mich als Sprachliebhaber ein Leckerbissen nach dem anderen.
ABER:
Wehe, wenn ich selber als Normalo etwas kaufen will! Wehe!
Ich habe mir letztens einen Traum erfüllt und ein E-Schlagzeug gekauft. Vorher wollte ich es noch „antesten“ (Musikersprech).
Ich also hin zu Amptown und mit zitternden Knien in die Schlagzeugabteilung. Ich hatte extra meine langen Haare offen und alles Schwarze angezogen, was ich habe, um mich anzubiedern, aber der Glatzenmann mit dem Rübezahlbart bis zum Boden, kurzer Hose mit zutätowierten Waden und einer Altmetallhandlung im Gesicht ließ mich schnell wie einen Bankangestellten aus Poppenbüttel aussehen.
Klassische Begrüßung: „Geht sofort los.“
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Telefon.
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Kennt Ihr die Werbung von Jack Daniels? Wo die ewig sitzen und die Ruhe weg haben, weil sie den Fässern Whiskey beim Reifen zusehen? Daran muß ich jetzt denken ...
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Ich gehe noch mal hin: „Hätten Sie jetzt Zeit?
„Alles klar, geht los.“
Hatte er vergessen, daß ich warte? Anscheinend. Er hat sofort für mich Zeit. Super.
„Ich suche nach einem elektronischen Schlagzeug, das...“ Mist, ich hab den Namen vergessen! Das ist bei Amptown tödlich ... „... na ja, das kleine billige von Roland, das man im Wohnzimmer spielen kann.“
Er hat bereits das Interesse an mir verloren ...
Wahrscheinlich hat er bei dem Wort „Schlagzeug“ gedacht, was ich denn in der Drum-Abteilung wolle. Schlagzeug kennt er nicht. Dazu noch „Wohnzimmer“ ...
Außerdem gibt er mir durch seine gesamte Körpersprache deutlich zu verstehen, daß er elektronische Instrumente komplett ablehnt. Er will richtige Kunden, nicht so Deppen, wie mich. Er hat schon Ian Paice von Deep Purple bedient. Jawohl. Da fällt es schwer, so einen Poppenbütteler Amateur zu ertragen.
Ich sage noch: „Ich habe keine Ahnung von Schlagzeug, ich bin eigentlich Saxophonist. Sorry.“
Er wacht aus seinem Sekundenschlaf auf: „Da hinten sind die Probekabinen. Da stehen die e-drums.“
Und verschwindet so schnell, wie ich ihm nicht zugetraut hätte.
Geht doch. e-drum. Ich sag nie wieder Schlagzeug, versprochen.
Ich teste ein bißchen an. Mit einer Frage laufe ich unterwürfig zum Tresen zurück.
„Geht sofort los.“
....
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Er räumt Kartons.
...
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Appetit auf Whiskey wird stärker.
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...
Ich frag noch mal. Er: „Kein Thema, ich guck ins Manual (Bedienungsanleitung).“
Er geht langsam nach hinten (was seine Flucht von vorhin vergessen lässt).
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...
Herr Ober; für mich bitte einen doppelten Whiskey.
...
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Ich – mittlerweile an Kummer gewöhnt – frage nach.
Er: „Geht sofort los.“
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...
Johnny Walker, dadadadadaaa ... Ach nee, ist ja Jack Daniels ...
...
...
Ich rufe nach hinten ins Lager: „Ist auch nicht so wichtig. Dann schau ich halt im Internet nach.“
Er kommt zurück: „... kann’s nicht finden. Aber ich denke, das was Du möchtest, geht erst ab dem T9 ...“
Und schon ist er angewidert verschwunden. Wie der Blitz. Wahnsinn.
Resümee:
Die Amptown-Leute haben anscheinend nur mit Rockgrößen von Aerosmith aufwärts zu tun und akzeptieren nur Kunden, die ein mehrjähriges Musiker-Fachblatt-Studium hinter sich haben. Außerdem muß man das ganz eigene Mukker-Denglisch gefressen haben.
Ganz abgesehen davon, hatte der Typ einfach keine Ahnung: Ich habe später rausgefunden, daß das, was ich an dem Schlagzeug wollte, doch geht. Er hatte einfach nur keine Lust, sich für einen Spießer wie mich zu konzentrieren. Geschweige denn, es selber kurz auszuprobieren.
Das Schlimme ist, daß ich das e-drum dann doch gekauft habe (ist übrigens toll), er also keinerlei negative Konsequenzen für seine Eitelkeit und Arroganz erleiden mußte.
Ich brauche noch ein Ride-Becken...
Mal sehen, wann ich mich wieder hintraue. Diesmal male ich mir den Namen für das Teil auf die Hand.